Presse

Heinrich-Pette-Institut richtet Seniorprofessur ein

Donnerstag, 01. April 2010

Hamburg-Mit einem Festakt feierte das Heinrich-Pette-Institut (HPI) am 30. März den heutigen Start der Seniorprofessur für Tumorvirologie von Prof. Wolfgang Deppert. Gemeinsam mit der Hamburger Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, die diese Seniorprofessur finanziell unterstützt, geht das HPI damit neue Wege. „Wir freuen uns außerordentlich, dass wir so die exzellente wissenschaftliche Expertise von Wolfgang Deppert und seinen enormen Schaffensprozess am Institut halten können“, betonte Prof. Thomas Dobner, der wissenschaftliche Direktor des HPI, in seiner Laudatio.

Mit Schaffung der gestifteten Seniorprofessur setzt das HPI als außeruniversitäres Institut der Leibniz-Gemeinschaft ein klares Zeichen gegen den Trend des Weggangs renommierter emiritierter Wissenschaftler in die USA. Gleichzeitig macht diese Seniorprofessur den Weg frei für die zügige Nachbesetzung einer neu ausgerichteten Forschungsabteilung für Virologie und Immunologie am Heinrich-Pette-Institut. Im Rahmen des mit der Universität Hamburg eingeleiteten Nachberufungsverfahrens ist bereits der Ruf an einen anerkannten Virologen erfolgt.


N. Schües, W. Deppert, J. Milner, T. Dobner

Nikolaus Schüess, der Vorsitzende des Vorstandes der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, zeigte sich in seinem Grußwort tief beeindruckt vom wissenschaftlichen Lebenswerk Wolfgang Depperts, das u.a. mit dem Deutschen Krebspreis ausgezeichnet wurde: „Diesen Schaffensprozess und ihre Expertise mit dem Zeitpunkt der Emeritierung ruhen zu lassen – das entspricht glücklicherweise nicht Ihrem Naturell und nicht Ihrem und unserem Verständnis von Wissenschaft und Lebensleistung. Sie sind aktiv in internationale Kooperationsprojekte eingebunden und haben auch in jüngster Vergangenheit noch äußerst erfolgreich Drittmittelgelder für Ihre Forschungsarbeit eingeworben.“ Die Hamburger Stiftung fördert und honoriert international ausgerichtete medizinische Grundlagenforschung, unter anderem mit der jährlichen Verleihung der Ernst-Jung Medaille für Medizin in Gold und mit Karriere-Förderstipendien für junge Nachwuchswissenschaftler und Mediziner. Mit der Förderung einer Seniorprofessur geht auch die Jung-Stiftung neue Wege.

Die international wegweisenden Arbeiten Wolfgang Depperts beschäftigten sich zunächst mit einem krebserzeugenden Eiweiß, dem sogenannten T-Antigen (T-Ag) des SV40 Tumorvirus. Er charakterisierte dessen Lage, Funktion und chemische Modifizierung in Krebszellen und entdeckte, dass es unterschiedliche SV40 T-Ag Populationen gibt. In den folgenden Jahren fokussierte sich sein Interesse auf ein Protein, das mit dem SV40 T-Ag interagiert: das p53 Tumorsuppressorprotein. Kreativ, und häufig gegen herkömmliche Lehrmeinungen, entwickelte Wolfgang Deppert ein komplexes Modell zur Wirkung dieses Proteins. Er erkannte, dass p53 in seinen unterschiedlichen Formen als „Schutzengel“ oder als „Beelzebub“ bei der Entstehung von Krebszellen wirkt. Bereits 1990 zeigte Wolfgang Deppert, dass mutiertes p53 in Krebszellen aktiv ist. Inzwischen ist bekannt, dass in der Hälfte aller Tumoren ein geschädigtes p53-Gen gefunden wird und Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe belegen, dass mutiertes p53 selbst die Tumorentwicklung begünstigt.

In den nächsten zwei Jahren wird Wolfgang Deppert darüber hinaus Tumorstammzellen und deren Funktionen in einem Brustkrebsmodell untersuchen. Dieses Mausmodell beruht darauf, dass in der Brustdrüse erwachsener Mäuse ein virales Krebsgen hormonell angeschaltet wird und Tumore induziert. „Damit ähnelt die Entstehung von Brustkrebs in diesem Modell sehr der Brustkrebsentstehung beim Menschen und wir können untersuchen, wie sich dieser komplexe Krebs entwickelt und wie aus ihm Metastasen entstehen“, erläutert Wolfgang Deppert. Ein zentrales Thema an der Schnittstelle zwischen Virusforschung und Onkologie.

Zu Prof. Wolfgang Deppert:
Preise und Ehrungen

1974   Byk-Wissenschaftspreis der Herbert-Quandt-Stiftung
1981   Wissenschaftspreis der Stadt Ulm
1984   Merckle-Wissenschaftspreis
1994   Konjetzny-Preis für Krebsforschung
1997   Deutscher Krebspreis
2004   Roggenbuck-Preis für Krebsforschung in Norddeutschland

Professuren/Tätigkeiten
ab April 2010: Seniorprofessur für Tumorvirologie am HPI
Juli 2000-März 2010: Professor (C4) Molekulare Biochemie, Dep. Chemie, Univ. Hamburg
Mai 1987-März 2010: Leiter der Abteilung für Tumorvirologie, HPI
1989-1995/1999-2002: Wissenschaftlicher Direktor, HPI  
1979-1987: Professor (C3) für Biochemie, Dep. Biochemie, Univ. Ulm

Zur Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung in Hamburg:
Ernst Jung, der spätere Ehrensenator der Universität Hamburg, brachte der Philosophie, der Medizin, auch der Musik und der Theologie großes Interesse entgegen. Nach den ERNST UND CLAERE JUNG-STIFTUNGEN in Hamburg und Stade, deren Auftrag die Pflege und Betreuung älterer Menschen ist, und mit deren Gründung er sein soziales Engagement und sein Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Allgemeinheit betonen wolle, rief er im gleichen Jahr, 1967, die dritte Stiftung ins Leben.
Diese JUNG-STIFTUNG FÜR WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG förderte zunächst die Bereiche der Medizin, der Theologie und der Philosophie. Ab 1975 konzentrierte sich ihre Arbeit ganz auf die Humanmedizin.
Folgende Prinzipien bilden die Grundlage ihrer bewusst international orientierten Aktivität:
Förderung humanmedizinischer Forschung mit besonderer Beachtung ihrer klinischen Relevanz, vor allem in Gestalt des ERNST-JUNG PREISES FÜR MEDIZIN; Förderung wissenschaftlicher Kommunikation über Länder- und Fachgrenzen hinaus; Unterstützung von medizinischer Forschung, die aus Grundlagenforschung erwächst, und -in Grenzen- der Grundlagenforschung selbst; Verbindung von Theorie und Praxis als Feld für Impulse und Förderung.
Die Arbeit der Stiftung soll die Humanmedizin auf dem Weg einer immer humaneren Medizin begleiten.
Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung im Internet:
www.jung-stiftung.de

Zum Heinrich-Pette-Institut:
Das in Hamburg ansässige Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie (HPI) widmet sich seit 60 Jahren der Erforschung humaner Viren, der Pathogenese viraler Infektionen, der Wechselwirkung zwischen Viren und dem Wirt sowie damit zusammenhängender Probleme. Am HPI erforschen etwa 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein breites Spektrum global bedeutsamer Viren, wie  HIV, Hepatitis B und C Viren, Herpesviren, Influenzaviren sowie verschiedene Tumorviren und Leukämie-assoziierte Viren. Mit seiner biomedizinisch-virologischen Grundlagenforschung ist das HPI in Deutschland einzigartig.
Das Heinrich-Pette-Institut ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Für Rückfragen:
Dr. Angela Homfeld, Pressestelle des Heinrich-Pette-Instituts
Ein druckfähiges Bild vom Festakt sowie von Prof. W. Deppert steht auf Anfrage zur Verfügung.