Heinrich Pette und der Nationalsozialismus

Das Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) trägt den Namen seines Gründungsdirektors Prof. Dr. Heinrich Wilhelm Pette (1887-1964).

Als Neurologe und Forscher auf dem Gebiet der spinalen Kinderlähmung und Multiplen Sklerose besaß Heinrich Pette international eine herausragende Stellung. Sein politisches und wissenschaftliches Wirken mit Bezug zum Nationalsozialismus sowie seine Funktion im Vorstand der Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater (GDNP) lagen bisher allerdings teilweise im Dunkeln.

Vor diesem Hintergrund und aufgrund von kritischen Nachfragen von innen und außen zur Mitgliedschaft Heinrich Pettes in der NSDAP seit dem Jahr 1933 hat das HPI im Jahr 2012 mit der Untersuchung der Vergangenheit Heinrich Pettes für die Jahre 1933 bis 1945 begonnen. Ziel war es, eine feste und kritikfreie Grundlage für die zukünftige Verwendung des Namens Heinrich Pette herbeizuführen.

Das HPI vergab daraufhin im Februar 2012 an den renommierten Medizinhistoriker Prof. Heinz-Peter Schmiedebach den Auftrag, ein Gutachten über die Stellung von Heinrich Pette im Nationalsozialismus anzufertigen. Das daraufhin von Dr. Andrea Brinckmann und Prof. Heinz-Peter Schmiedebach erarbeitete  „Gutachten über das Verhältnis des Neurologen Professor Dr. Heinrich Pette zum Nationalsozialismus und sein wissenschaftliches Werk zwischen 1933 und 1945(Erstgutachten) lieferte zunächst kein eindeutiges Bild zum Wirken Heinrich Pettes, da aufgrund des sehr kurzen Bearbeitungszeitraums von acht Wochen nur wenig Quellenmaterial gesichtet werden konnte.

Daraufhin hat sich das Institut entschieden, einen ausführlichen Prozess der Aufarbeitung zu starten und im Jahr 2014 die Koordination eines zweiten Gutachtens (Zweitgutachten) an Prof. Axel Schildt, dem damaligen Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), sowie an den Historiker Prof. Malte Thießen übergeben. Das Zweitgutachten mit dem Titel Heinrich Pette und der Nationalsozialismus wurde in seiner endgültigen, überarbeiteten Fassung Ende 2020 vorgelegt.

Basierend auf den Ergebnissen beider Gutachten hat sich das Institut in vielen ausführlichen Diskussionen mit dem Kuratorium sowie unter Einbeziehung des Kollegiums und mehreren auf diesem Gebiet etablierten und renommierten Historikern mit dem Umgang des Namens "Heinrich Pette" auseinandergesetzt und entschlossen, in Zukunft den Namen Heinrich-Pette-Institut nicht mehr zu verwenden.

Bis zum Abschluss eines Namensfindungsprozesses präferiert das Institut die Bezeichnung nach dem zweiten Teil des ursprünglichen Namens „Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie“ (HPI).