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Retreat zur Virus-Wirts-Wechselwirkung am HPI

Friday, 28. November 2008

Am 21. November trafen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des HPI zum diesjährigen internen Retreat des Programmbereichs „Virus-Wirts-Wechselwirkung“. In diesem Forum werden institutsübergreifend neue Ergebnisse aus den Abteilungen und Arbeitsgruppen vorgestellt und diskutiert. Teile des Wissenschaftlichen Beirates waren anlässlich Ihrer Jahressitzung am HPI ebenfalls zu Gast und konnten so einen Einblick in Forschungsprojekte und innovative Methoden am Institut gewinnen:

Transgene Mäuse dienen Michael Bruns und Genrich Tolstonog aus der Abteilung für Tumorvirologie als Modellsystem für onkogen induzierten Brustkrebs. Beide Wissenschafler arbeiten mit sogenannten WAP-T-Mäusen, bei denen die frühe Genregion des SV40 Tumorvirus (T-Antigen) unter der Kontrolle des WAP-Promotors (way acid protein) steht. Michael Bruns untersucht an WAP-T-Mäusen grundlegende therapiebezogene Fragen: Welche immunologischen Stimuli vermitteln eine effiziente Immunantwort und könnten so zur Eliminierung der Tumorzellen führen. Genrich Tolstonog nutzt das Mausmodell, um die erste initiierende Phase der Mammakarzinomentwicklung zu studieren.

Viren haben vielfältige Strategien entwickelt, um mit dem Zellkern der Wirtszelle interagieren zu können und ihn zur eigenen Virusvermehrung zu nutzen. Thomas Günther aus der Nachwuchsgruppe Zelluläre Virusabwehr beschäftigte sich in seinem Vortrag mit epigenetischen Veränderungen im Zellkern, die die Latenz von KSH-Viren beeinflussen. Hüseyin Sirma diskutierte, wie DNA-Viren (HSV-1, HCMV) die Struktur und Funktion sogenannter PML-Komplexe im Zellkern beinflussen.

Ein weiterer Aspekt der Wechselwirkung zwischen Viren und ihren Wirtszellen wurde durch Melanie Schmid und Orkide Koyuncu aus der Abteilung für Molekulare Virologie vorgestellt. Sie beschäftigen sich mit dem Transport viraler und zellulärer Proteine zwischen dem Zellkern und dem Cytoplasma. Als Modellsystem nutzen sie Adenoviren des Typ5.

Das Erbgut von Mäusen enthält nach wie vor seltene aktive Vertreter der drei Retrovirusfamilien. Vertreter dieser Familien dienen als retrovirale Vektoren, um Markergene oder potentielle Krebsgene in Zellen einzubringen. Wegen der hohen Variabilität ihrer Hüllproteine (Env-Proteine) können Retroviren unterschiedlichste Zelltypen infizieren. Ulla Bergholz aus der Forschungsgruppe Molekulare Pathologie identifizierte den zellulären Rezeptor, den das endogene Retrovirus McERV nutzt, um Epithelzellen zu infizieren.

Carina Banning aus der Nachwuchsgruppe Virus-Pathogenese stellte ein neues Assay vor, mit dem sie dynamische Interaktionen zwischen lentiviralen und zellulären Proteinen in lebenden Zellen quantifizieren kann. Jan Chemnitz, Abteilung Zellbiologie und Virologie, charakterisierte einen niedermolekularen Wirkstoff, der die Sekretion von HIV 1-Partikeln blockiert.

In der abschließenden Session stellten Heinrich Hohenberg, Rudolph Reimer und Jonas Shaikh aus der Arbeitsgruppe Elektronenmikrokopie neue Methoden der systemischen Strukturanalyse am HPI vor und erläuterten Anwendungsmöglichkeiten des tomographischen Kryo-Elektronenmikroskops (TEM), das 2009 am Institut installiert wird.