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Influenza-Forscherin startet am Heinrich-Pette-Institut

Thursday, 07. May 2009

Im Mai beginnt die Influenza-Forscherin Dr. Gülsah Gabriel ihre Arbeit am Heinrich-Pette-Institut (HPI). Sie beschäftigt sich als Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe „Influenza-Pathogenese“mit der Frage, wie Grippeviren von Vögeln auf Säugetiere und Menschen übergehen können und sucht nach neuen Therapiemöglichkeiten gegen diese hochpathogenen Viren. Das HPI konnte die exzellente Forscherin von der Universität Oxford nach Hamburg holen.

Güsah Gabriel überzeugte, dass sie am HPI auch als Nachwuchsforscherin sehr eigenständig forschen kann. „Vor allem aber stimmt hier die sehr gute Infrastruktur. Das Institut ist hervorragend ausgestattet und bietet ein sehr gutes Umfeld für meine wissenschaftliche Arbeit“, bestätigt Gabriel.

Bereits 2005 veröffentlichte Gülsah Gabriel, die an der Universität Marburg studiert und promoviert hatte, wichtige neue Erkennnisse zur Frage, warum Grippeviren vom Vogel auf Säugetiere überspringen und sich effizient im neuen Wirt vermehren können. Sie entdeckte, dass dafür genetische Veränderungen in einem Influenza-Protein, der so genannten RNA-abhängigen RNA-Polymerase, verantwortlich sind. Diese Polymerase ist der entscheidende Faktor, der die Anpassung der Vogelgrippeviren an Säugetierzellen bewirkt. Gabriel: „Damit hatten wir erstmals einen guten Marker gefunden, um das pathogene Potential von Influenzaviren in neuen Wirten bestimmen zu können.“ Je höher die Polymeraseaktivität der veränderten Grippeviren in den infizierten Zellen ist, desto höher ist auch sein krank machendes Potenzial. Die Mutationen, die Gülsah Gabriel in ihrem Untersuchungsmodell in der viralen Polymerase entdeckte, kommen interessanterweise auch in zahlreichen hochpathogenen Vogelgrippevarianten vor, die erst kürzlich auf den Menschen übergegangen sind.

„Es gibt zwei Barrieren, die Influenzaviren überwinden müssen, um von Vögeln oder Schweinen auf Menschen überspringen zu können“, fasst die Forscherin zusammen. Das ist zum einen die Zellmembran, also die äußere Hülle jeder Körperzelle. Aber ebenso wichtig ist eine zweite Barriere: die innere Membran um den Zellkern. Mit Hilfe der veränderten Polymerase können Vogelgrippeviren diese zweite Barriere, die innere Zellkernmembran überwinden – das macht diese Viren so gefährlich und hochpathogen. Im Jahr 2008 veröffentlichte Gülsah Gabriel, wie dies funktioniert: „Die mutierte Polymerase bindet nun effizienter an die Transportmaschinerie in den Säugetierzellen, und wird so in den Zellkern geschleust.“ Die Folge: die Polymerase ist im Zellkern sehr aktiv und sorgt dadurch für hohe Mengen neuer infektiöser Virusnachkommen.

Am Heinrich-Pette-Institut wird Gülsah Gabriel diese Transportmaschinerie und ihre Interaktion mit der Influenza-Polymerase weiter untersuchen. Sie hofft, aus diesen Erkenntnissen die Grundlagen für neue effektive Grippemedikamente finden zu können. Aus einer Kooperation mit AVI BioPharma Inc. könnte sich ein weiterer vielversprechender Ansatz für eine neuartige Influenzatherapie entwickeln: „ Wir haben festgestellt, dass bestimmte Hemmstoffe, so genannte Morpholinooligomere, die gegen  RNA Genomsequenzen der Polymerase von H7N7 Influenzaviren gerichtet sind, deren Pathogenität um 50 Prozent reduzieren.“ In Kooperation mit der Industrie wird auch diese Strategie weiter verfolgt und optimiert.

Das Heinrich-Pette-Institut freut sich, mit der Expertise von Gülsah Gabriel sein Forschungsspektrum sinnvoll erweitert zu haben und so auf brennend aktuelle Fragen der Infektionsforschung reagieren zu können. „Mit dieser Besetzung der mittlerweile dritten Nachwuchsforschungsgruppe verfolgt das HPI eine sehr erfolgreiche Strategie, die es herausragenden jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglicht, in einem exzellenten Umfeld, selbstständig und unabhängig zu forschen“, fasst der wissenschaftliche Direktor Dr. Heinrich Hohenberg das zukunftsweisende Konzept zusammen.

Für Rückfragen:
Dr. Angela Homfeld, Pressesprecherin des HPI
Tel. 040/48051-108